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Name: Stefan Eulen
Job: Produzent, Live Act
Genre: Techno, House |
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Stefan Eulen – Ein Raver auf Abwegen.
…Das ist mein Leben…
Beim Feiern heißt es immer nur: höher, schneller, weiter…
Anfang der Neunziger Jahre. In Berlin war gerade die Mauer gefallen, aber so richtig konnte man es immer noch nicht glauben, dass es von nun an nur noch ein Deutschland geben sollte. Vor allem die Generation, die Kinder der 60er und frühen 70er Jahre, kannten es ja gar nicht anders. In Berlin war es wohl an jeder Ecke spürbar, das der Aufbruch in eine neue Zeit in den Startlöchern stand. Plötzlich gab es neues zu entdecken. Der Westteil wurde zur Shoppingmall der Ossis und Ostberlin zum Adventurepark der Wessis.Und während das Establishment noch über die Folgen des Einigungsvertrages diskutierte und Mauern in den Köpfen herbeiredete, war die Jugend weitgehend frei von solchen Voreingenommenheiten. Musikalisch fand ganz schnell zusammen, was zusammen gehörte. Denn der Aufbruch in ein neues Deutschland fiel zusammen mit dem Aufbruch in eine neue musikalische Ära.
Techno startete in Deutschland durch. Kaum eine Dorfdisco, die nicht ihren Technoabend hatte. Jede größere Gartenlaube und Gemeindehalle wurde für einen Rave genutzt: in der Halle Gartlage Osnabrück, Oswestfalenhalle Verl, Panzerhalle Gonsenheim, Festlandhalle Recklinghausen oder auch in den Weser-Ems-Hallen Oldenburg traf sich die First-Class der deutschen und oft auch internationalen DJ-Prominenz. Man stelle sich das Gesicht von Derrick May vor, wenn er nach zehn Stunden Flug und vier Stunden Fahrt über plattes Land bei Nacht plötzlich vor der Schützenhalle Paderborn stand, mitten im Nirgendwo ... Aber auch dort fanden sich oft mehrere tausend Raver zusammen mit ihren Zipfelmützen, Longsleeves und Trillerpfeifen, um bis in den Sonntagmorgen abzufeiern.
Techno hatte nicht nur eine neue Musik gebracht, sondern einen ganz neuen Lifestyle. Klamotten Labels schossen ebenso aus dem Boden, wie Plattenläden, Bookingagenturen, Designbüros, DJs und natürlich auch Clubs. Nach einer anstrengenden Woche Job lockte das Wochenende, das natürlich schon Donnerstagsabends eingeläutet wurde, und nicht selten fast nonstop bis Sonntagmittag ging. 1994 waren bereits über 30.000, die zu Techno über den Ku’damm tanzten. Motte wagte die Prognose für die Loveparade, dass, wenn sich jedes Jahr die Teilnehmerzahl verdoppelte, wir 2010 Weltfrieden haben würden, weil alle Menschen miteinander tanzten. Nun ja, ganz hat es nicht gereicht – im Gegenteil, aber damals wollte und konnte dennoch kein Mensch ahnen, dass man einmal die Millionengrenze überschreiten und zum Fernsehspektakel werden würde, welches auf Grund von Geltungsbedürfnis, Größenwahn und Profitgier 21 Todesopfer mit sich bringen würde.
Eine ganz neue Mode- und Designästhetik griff um sich. Sampling in allen Lebensbereichen. Was damals an Flyern unterwegs war, glich vielfach schon visueller Körperverletzung – aber Techno wollte eben anders sein – nicht nur XTC-Heads wissen, dass Farben echt laut sein können. Was anfangs noch schlicht Techno oder Technohouse hieß, war inzwischen nicht mehr unter einem Dach bzw. auf einem Dancefloor zu halten: Hardcore und Gabber hatten sich zu einem eigenen Style entwickelt, der noch heute in Holland sehr populär ist, aber nach wie vor in Deutschland viele Anhänger hat. Väths EyeQ / Harthouse-Label lieferte den Grundstein für Trance, ebenso wie Suck me Plasma, MFS und viele andere. Allerdings hatte dieser Sound nur wenig mit dem Trance-Gedudel zu tun, wie man es heute im Radio hört. House wurde wieder populärer, nachdem es nach 1989 erstmal durch den harten Techno in den Hintergrund gedrängt wurde. Acid war das Gebot der Stunde und auch Drum&Bass, der damals schlicht Breakbeat genannt wurde begann seinen Siegeszug. Viele erinnern sich noch wehmütig an den legendären Milk!-Club in Mannheim (mit Xavier Naidoo als Türsteher!), der Bastion für Break-Sound in Deutschland.
Techno hatte seinen Durchbruch geschafft. DJ war plötzlich Berufswunsch Nummer eins. Marusha, Westbam und Mark’Oh waren Dauergäste in den Media Control Charts. Zahllose TV-Reportagen, Diskussionsrunden und Talk-Shows beschäftigten sich mit dem Phänomen Techno; nicht immer machten die geladenen Szene-Vertreter dabei eine gute Figur, sondern nährten nur die vorherrschenden Klischees. Wobei man auf gewisse Heuchlereien und Heiligsprechungen ebenfalls versichten sollte. Keine musikalische Szene ist 100%ig frei von Drogen oder anderen negativen Aspekten. Auch wurde die Loveparade inzwischen vom Kurfürstendamm auf die wesentlich breitere Straße des 17. Juni verlegt worden, um dem Ansturm genug Raum bieten zu können. Wie die Zukunft ab dem 24.07.2010 zeigen sollte, hatten die ehemaligen Organisatoren ein erkennbar besseres Händchen für die Umsetzung dieses Events.
Geile Karriere: Mit 18 voll drauf. Mit 20 in der JVA Köln-Ossendorf.
Mit 18 Jahren wollte ich das erste mal in einen Technoclub in meiner näheren Umgebung gehen. Meine Freunde, Bekannte und Kumpel, hatten mir deutlich gemacht, dass der Sound dort sehr speziell wäre. Dies wollte ich einmal live erleben. Ich wackelte also rein und erkannte sofort, dass Konversation total fehl am Platze war. Man konnte sich ja selbst kaum noch verstehen, doch sollte dies keinerlei Hindernis für mich darstellen, meinem Trieb, meinem Drang nach Partys, Technomusik und Freiheit nach zu kommen. "Das ist aber ein recht harter Sound", dachte ich, aber er hatte seinen Vibe. Mein Fuß tippte gemächlich mit, ich holte mir einen Wodka-Redbull und lauschte den Tracks. Es war 11 Uhr abends, die Tanzfläche meist noch leer, während die ersten Leute rein kamen, um erst mal mit Freunden zu quatschen. Hört sich ja ganz nett an, bis auf die Tatsache, dass man sich anbrüllen musste.
Mein Herzschlag beschleunigte sich, als sich im Rahmen der 98’er Loveparade ( R.I.P. ) auf die Leipziger Straße traf. In weiter Ferne die scharf aufragenden, glitzernden Gebäudesplitter des Potsdamer Platzes. Jemand, der nicht weiß, wonach er sucht, wird hier niemals Einlass finden; dass ich mich vor einem der berühmtesten Technoclubs der Welt befinde. Einmal im Innern angelangt, gibt es kein Zurück mehr. Obwohl im freundlich gestalteten „Globus“ feinste Housemusik gespielt wird und dort fröhliche Menschen ausgelassen feiern, musste ich dennoch weiter, weiter nach unten. Nie werde ich diesen Eindruck vergessen: der dumpfe Geruch, die ekstatischen Gesichter, die Lichter, die langsam verschwammen... Mein Herz pochte immer schneller, bis ich schließlich an Gitterstäben und Bar vorbeischoss und in den dichten Nebel eintauchte. Gleißende Laser und dumpfer Urbeat, ein apokalyptisches Stampfen, das mich total entrückte. Weit ab von allem tanze ich, bis das trübe Tageslicht die Gesichter im Garten grau färbte. Später – Ich nahm die Menschen um mich herum zum ersten Mal bewusst wahr – alles schien irreal. Ein Hirngespinst, dass es zu diesem Zeitpunkt schon 9 Jahren gab.
Gute DJ´s spielten nie, was man als Kommerz und Mainstream hätte bezeichnen können. Ein gutes DJ-Set bestand aus Kontrasten und Stimmungen. Wenn zwischendurch ein paar housige Vibes eingebaut und dann mit einer härteren Scheibe mehr Druck erzeugt wurde, konnte man den Druck fühlen. Man konnte es im ganzen Körper spüren. Die meisten Leute merkten das und gingen dementsprechend mit. So rastete ich alleine schon beim Intro des Grandfathers of Techno (Jeff Mills), völlig aus. Was er machte konnte kein anderer.
Gerade diesem drahtigen, kleinen Mann aus der ersten Generation von Detroiter Techno-Produzenten und -DJ's ist es zu verdanken, dass das gesichtslose Phänomen Techno auf weltweiter Ebene einen Botschafter bekam. Nachdem er Ende der 80 Achtziger in die Fußstapfen von The Electrifying Mojo trat und als The Wizard technoide Klänge über den Äther jagte, wurde er Anfang der Neunziger durch die mysteriöse, subversive Kombo Underground Resistance so richtig bekannt, dessen gleichnamiges Label er mit Mad Mike Banks und später Robert Hood betrieb. Durch seine Kooperation mit dem Berliner Label Tresor, zunächst unter dem Projektnamen X-101, X-202 und X-303, machte sich Mills auch in Europa einen Namen. Mit seinem 1994 gegründeten Label Axis sowie seinem mehr Praxis orientierten Imprint Purpose Maker feierte Mills erste internationale Erfolge.
Bald erreichte Mills Kultstatus - nicht nur seine Residency im New Yorker Limelight Club und durch Auftritte in den schillernsten Techno-Metropolen der Welt, sondern auch durch zahlreiche Live-Mitschnitte seiner sensationellen Sets wie zum Beispiel "Live at the Liquid Room - Tokyo", mit denen er nicht nur Technoliebhaber, sondern auch unzählige DJ's inspirierte, trugen dazu bei. Mills schaffte es allerdings nicht nur, Techno zu einer Kunstform hochzustilisieren, sondern auch seine Vorstöße in die Welt der schönen Künste. Sei es Fotografie, Malerei oder Film, fanden auch außerhalb der Technoszene große Anerkennung. Als Gottvater des Techno und Pionier des Detroit Sounds ist Jeff Mills bezeichnet worden. Seine Hände gelten als magisch, und keinem DJ sonst auf der Welt wird so gebannt bei der Arbeit zugeschaut. Im Kölner Raum war ich überall, wo Techno gespielt wurde, vornehmlich auf der PsychoThrill, im Kitt-Klub, im Atomic, im Warehouse, im 42d.p. und im Index. – Mittwochs auf die Psychothrill mit Roland Casper und Claus Bachor, Elektronik ohne Ende! Da gingen nur Freaks und hartgesonnene Raver hin. In Adidas Anzügen und mit weißen Handschuhen – original! – Jeff Mills war damals wie heute mein großes Vorbild. Ich erkenne ihn schon am Basslauf – das hat er nämlich drauf. Unter dem Einfluss zahlreicher Stimulanzien – Mein Motto: "Wenn man feiern geht, dann richtig! Dann soll an nichts gespart werden, habe ich konsequent gelebt..."
Viele von uns – wenn auch bei weitem nicht alle – haben im Zusammenhang mit Feiern schon einmal die Grenzen des Legalen überschritten, mal mehr, mal weniger bewusst das Gesetz gebrochen und vielleicht auch schon mal Probleme mit den zuvorkommenden Männern in Grün gehabt. Doch wer von uns macht sich schon Gedanken über die Ausmaße seines Handelns? Und wer rechnet, dass das "bisschen" Konsumieren/Verpeiltsein/Verticken – und das daraus resultierende Konsumieren/Verpeiltsein/Verticken – durchaus ein Nachspiel haben könnte? Das man für sein nicht ganz rechtschaffenes Handeln durchaus zur Rechenschaft gezogen werden könnte, was mitunter lebensverändernde Konsequenzen nach sich zieht, kommt den wenigsten in den Sinn, wenn sie sich um Kopf und Kragen feiern. Aber: Massenkontrollen wie bei der Time Warp oder der Loveparade beweisen es: Die Exekutive von Deutschland ist uns dicht auf der Spur. Doch nur wenige bringt das aus dem Takt – der Reiz des Verbotenen und der Thrill der rastlosen Nächte macht die meisten schlicht mehr an als Vernunft und Kontrolliertheit. Bei der meist völlig überrumpelnden Kollision mit der Polizei kommen die meisten glücklicherweise mit dem Schrecken oder einer fallengelassenen Anzeige davon. Manche nicht: Bei besonders Dreisten, Dummen oder Druffen führt eine unglückliche Verkettung von Vorfällen oft dazu dass sie hinter Gitter landen. Und: Von diesen Knastis gibt es mehr und mehr, denn ganz im Gegensatz zu früher wissen die Polizisten mittlerweile Bescheid, wenn sie erweiterte Pupillen sehen, oder haben die entsprechenden Schnelltests am Start. Null Toleranz zeigen unsere Gesetzeshüter besonders im Süden der Republik, wo schon weite Hosen als Indiz für Drogenmissbrauch herhalten müssen, womit einer Leibesvisitation und einer Hausdurchsuchung nicht mehr viel im Wege stehen. Ein deutliches Indiz für die ständig zunehmende Anzahl der Menschen hinter Gitter ist auch die Zunahme von Kontaktanzeigen in vielen Magazinen und Zeitschriften.
Einer flog übers Kuckucks-Nest – Die Konsequenzen.
Mir, zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alt, wurde das Ausmaß meiner Straftaten erst bewusst, als ich mich in der Jugendvollzugsanstalt Köln-Ossendorf umzingelt von gewalttätigen Kriminellen wiederfand. Es war wirklich heftig. Viele waren tausendmal krasser und skrupelloser als ich. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt hab' ich mich gefragt, wie ich ohne Dope und Amphetamine klar kommen soll. Wie soll ich das ohne Drogen überleben, ging es mir durch den Kopf. Ich bin ja permanent dicht gewesen.
Mit 13 Jahren, wurde ich das Erste mal beim Ladendiebstahl gepackt, was mich aber nicht davon abhielt, im gleichen Stile weiter zu machen. Es wurde so manches Fahrrad geklaut, um die guten Ersatzteile an mein eigenes schrauben zu können. Irgendwann kamen dann die Drogen hinzu. Auf einer Klassenfahrt haben sich fast alle mit einer Wasserpfeife vergnügt, was selbst nach meinem Empfinden besser als Alkohol rüber kam. Mit 17 hab ich dann das erste Speed konsumiert - und ab da hab ich eigentlich fast alles genommen. Auch die Anzeigen wegen dem Besitz von kleineren Mengen Hasch rauschten unregistriert vorbei.
Als durch eine Freiheitsberaubung alles auf die Tapete kam und die Polizei mit einer Hausdurchsuchung vor der Tür stand, fiel meine Mutter aus allen Wolken. Sie hatten meine Mutter gefragt ob ich irgendwelche Waffen besitzen würde. Meine Mutter hatte nur gemeint, dass ich keine Waffen bräuchte. Das erste, was die Beamten aus einer Schublade fischten, war dann eine Gaspistole. Meine Mutter war völlig ahnungslos - sie stand manchmal daneben, wenn ich am Telefon die Deals klargemacht hatte. Ich habe Ihr und meinem Vater unendliches Leid zugefügt.
Mit 20 war das Katz-und-Maus-Spiel endgültig entschieden. Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten, da kannten die Richter in Köln kein Erbarmen. Wer die Ernsthaftigkeit der Lage so wenig begreift, wird sich noch umgucken, wird sich Justitia gedacht haben und verurteilte mich zu einer Jugendeinheitsstrafe. Im Grunde genommen habe ich es verdient. Ich habe wirklich unendliches Leid über meine Opfer, deren Angehörigen und meine Familie gebracht.Von einem Tag auf den nächsten hat sich auch meine Freundin, ohne ein einziges Wort verabschiedet. Vier Jahre waren wir zusammen, und dann habe ich einfach nichts mehr von Ihr gehört. Sie war mein ganzer Stolz und ich würde mir wünschen, sie noch einmal in den Arm nehmen zu können. Durch die Haft weiß ich die kleinen Dinge zu schätzen. Eine kleine Berührung hätte ich früher gar nicht registriert, dabei ist das so schön. Es war wohl zu viel für Sie. Ich hoffe nur, dass sie glücklich ist. Es tut mir leid: Martina Höller.
Auch in Bezug auf meine sog. Freunde folgte irgendwann die große Ernüchterung. Wenn man sich Tag für Tag fragt, warum einen keiner anruft, keiner einen besucht, und das schon seit Jahren, dann baut sich schon eine gewisse Distanz zu den Werten auf, an die man ursprünglich geglaubt hat. Von wegen Zusammenhalt wo sind sie alle hin, wenn man sie wirklich braucht? Hat es überhaupt jemand bemerkt, dass ich nicht mehr da bin?
Meiner Meinung nach, wurden in der Gerichtsverhandlung die Weichen falsch gestellt. Denn weder mein Anwalt, noch die Jugendgerichtshilfe oder die Richter erkannten, was das Urteil "nach Paragraph 63" anstelle des Paragraphen 35 oder 64 bewirkte. Mit §35 wäre ich in eine jugendgerechte Therapie gekommen. Der §63 nimmt mich jedoch als Erwachsenen. Ich musste in den Maßregelvollzug: 3 Jahre und 9 Monate Haft, fast 10 Jahre Therapie, und das verlängerbar wie ein Gummiband.
Clockwork Orange vs. Berlin Calling.
Ich befinde mich seit dem 13.07.2000 gem. § 63 StGB in der forensischen Abteilung der Rheinischen Landesklinik Viersen und nach einer beantragten Verlegung, seit dem 08.04.2008 in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau. Ich wurde vom Amtsgericht Köln wegen, Freiheitsberaubung, Nötigung, Körperverletzung, Ladendiebstahl, Betrug und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Jugendeinheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Gleichzeitig wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gem. § 63 StGB angeordnet.
Der Begriff "Maßregeln" bezeichnet im juristischen Sinn die Reaktionsmaßnahmen auf eine Straftat, die von Justiz und Behörden neben der eigentlichen (Gefängnis-) Strafe ergriffen werden. Dazu gehört die psychologische Behandlung. Seit 1999 muss bei einer Entlassung eines Straftäters der "Nachweis" für eine hinreichende Sicherheit erbracht werden, dass von ihm keine weitere Gefahr ausgeht. Wie das genau geschehen soll, steht nicht im Gesetz geschrieben und wird meines Erachtens nach durch künstliche Verlängerung der Unterbringung umgesetzt. »Die größten Verbrecher, das sind jene Halunken, die ihre Verbrechen angetan mit dem Talar der Gesetzeshüter begehen.«
Das Strafgesetzbuch regelt die Einweisung in eine Forensik. Wann Gerichte in eine forensische Klinik einweisen dürfen, ist im Strafgesetzbuch geregelt. Paragraf 20 des StGB legt die Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen fest: "Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen tiefgreifender Bewusstseinsstörung, Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach der Einsicht zu handeln". Nach Paragraf 21 ist der Täter vermindert schuldfähig, wenn seine Fähigkeit, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln "erheblich vermindert" ist. Im Viersener Maßregelvollzug werden Straftäter in überbelegten Stationen therapiert. Eines Tages sollen sie zurück in die Gesellschaft. Nur wann? Kollektivstrafen haben sich seit einigen Jahren immer stärker in den Forensischen Kliniken eingebürgert. Patienten machen jahrelang Therapie, um dann für Zwischenfälle anderer Patienten bestraft bzw. zurück gestuft oder nicht weiter gelockert zu werden. In unserem Haus ist es schon seit Jahren üblich, dass die zwei Typen unter einem Dach untergebracht sind. Sowohl der Maßregel- als auch der Strafvollzug sehen vor, unterschiedliche Typen der Delinquenten von vornherein trennen zu müssen, um innere Konflikte der z.B. körperlichen- und psychischen Unversehrtheit vereinzelter Patienten als auch der Sicherheit und Ordnung vermeiden zu können. Es kommen zweierlei charakterlich unterschiedliche Delikttypen, die jeweils für sich eine ungünstige Kriminalprognose mit sich bringen, aufeinander. Nutzen Patienten aus dem 64er Bereich die Gelegenheit zur Flucht, werden die disziplinarischen Maßnahmen automatisch auf den Bereich der nach § 63 verurteilten Patienten übertragen. Dies sind Sanktionen, die im Auge der individuellen Behandlung des Einzelnen im Widerspruch zur Resozialisierung steht. Lockerungen zum Beispiel als auch ein auf Vertrauen aufgebautes Verhältnis zum stationären Setting dienen nicht nur der Wiedereingliederung, sondern auch dazu, den schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges entgegen zu wirken. Die Sicherheitsbestimmungen werden immer schärfer, die Luft zum Atmen immer dünner, die Chance auf eine Entlassung immer geringer. Genau das fördert aggressive Handlungen und Entweichungen von Patienten. Werden die Möglichkeiten für solche Ventile immer kleiner, wird irgendwann das Pulverfass explodieren.
In den forensischen Kliniken fehlen Hunderte von Plätzen für psychisch kranke Straftäter. Ein Teil von ihnen muss in allgemein-psychiatrischen Abteilungen untergebracht werden. Um so mehr überrascht es, dass in einigen forensischen Kliniken Patienten behandelt werden, die gar nicht mehr dort hin gehören. Wie zum Beispiel ein türkischstämmiger Mann, der im Rahmen seiner geistigen Verwirrung eine schwere Körperverletzung begangen hatte. Das Gericht sprach ihn unschuldig und wies ihn in die forensische Klinik Viersen ein. Hier wurde er mit Erfolg behandelt. Doch Mediziner weigern sich, ihn aus der Forensik zu entlassen. Er müsse mit seiner sofortigen Abschiebung rechnen, lautet diesbezüglich die Begründung. Der türkischstämmige Mann offenbar kein Einzelfall. Nach Informationen einiger Redaktionen gibt es mehrere solcher Fälle - trotz der Unterbringungs- und Behandlungskosten von ca. 250 Euro am Tag. Über die Verlängerung des Aufenthalts von Patienten in forensischen Kliniken entscheidet zwar eine Kommission aus Richtern, Staatsanwaltschaft und Ärzten, aber gegen den Rat der Mediziner mag wohl niemand handeln. "Es kann keiner auf freien Fuß gesetzt werden, bei dem zu befürchten ist, dass er aufgrund seiner sozialen Umgebung wieder rückfällig wird", so die Chefärztin der hiesigen Klinik in Viersen, Heike Guckelsberger, gegenüber der Rheinischen Post. Durch diese Aussage, wird ein unglaubliches Schicksal in ein völlig neues Licht gerückt. Mit drei Jahren wurde Willi Kappes in die Psychiatrie eingewiesen - und kam erst vor kurzem auf freiem Fuß. Nach 45 Jahren in geschlossenen Anstallten konnte er aufatmen. Zum ersten mal konnte er in seinem Leben behaupten, glücklich zu sein. 45 Jahre wurde er in der Psychiatrie vergessen, weil niemand auf ihn hörte. Ein Leben in der Psychiatrie - der Fall des Willi Kappes erschüttert. Wie es dazu kommen konnte, können sich selbst renomierte Psychiater nicht erklären. Heute lebe ich in Angst davor, ein ähnliches Schicksal erleiden zu müssen.
Das die forensischen Kliniken hoffnungslos überbelegt sind, weiß man auch beim LVR. Es stehen im Rheinland rund 685 Plätze zur Verfügung, doch kommt man auf eine Anzahl von etwa 1100 Patienten. Die Diskrepanz sollte durch den Bau dreier neuer forensischer Kliniken im Rheinland abgemildert werden, wobei Duisburg, meinem Wissenstand nach, im Gegensatz zu Köln und Essen nicht vom LVR getragen werden soll. Doch auch dies wird nicht ausreichen, allein weil die durchschnittliche Verweildauer in der Forensik immer mehr steigt. Der Weg in die Freiheit führt oftmals über die Playstation. Genauer gesagt über "Tony Hawk’s Pro Skater". Häufig spielte ich das Spiel. Es war zum Zeitpunkt meines Aufenthalts in Viersen der einzige Moment, an dem ich die Gitter um mich herum vergessen konnte. Ein Stück Normalität im Maßregelvollzug. Ein bisschen Freiheit hinter den Gittern der Station, einer berüchtigten "Longstay-Abteilung" der forensischen Klinik.
Die Anschrift der Landesklinik führte in eine verschlafene Kleinstadt namens Viersen-Süchteln. Dort fand man mich auf der Geschlossenen, Haus 18 A. Eines der Häuser, die meinem jetzigen Erkenntnisstand für Jugendliche Delinquenten herhalten muss. An den verschiedenen Komplexen der Psychiatrie vorbei, inmitten locker gruppierter Jugendstilvillen, befindet sich das Haus Nummer 18. Ein mit Stacheldraht gekrönter, fünf Meter hoher Zaun umzingelt das verrammelte Gemäuer - jedes Fenster ist ausbruchgesichert, und die Türen gleichen atombombenresistenten Stahltoren. Vorm Eingang dokumentierte eine CCTV - Kamera das verkrampfte Lächeln eines Besuchers. Die Tür öffnete sich meist mit einem leisen Zischen. In jedem Winkel des Treppenhauses fingen weitere Kameras die hastigen Bewegungen eines Besuchers oder die eines von der Arbeitstherapie zurückkehrenden Patienten ein. Durch eine Art Schleuse landete man entweder im Besuchsraum oder auf der Station 18 A. In dieser nach Desinfektionsmittel riechenden Menschenversuchsanstalt, musste ich fast 8 Jahre mein Dasein fristen, nach dem ich zuvor neun Monate lang im Gefängnis gehockt hatte. Billige Spanplatten-Möbel "schmückten" die Einzel- und Mehrbettzimmer im Inneren der Station. Miró-Imitate sollten ein wenig Atmosphäre vermitteln – vergeblich. Der dichte Nikotin-Nebel trübte die Sicht durch die wenigen Fenster im Tagesraum. Natürliches Licht fand dort kaum Zugang. Seit 2009 lebe ich aber nun im Neubau der Rheinischen Klinik in Bedburg-Hau, sehe ein positiveres Ambiente, erlebe einen respektvolleren Umgang, werde endlich gefördert und kann endlich wieder etwas aufatmen.
Die Einsicht kommt zu spät!
Ich hatte es einfach nicht verstanden, warum mein Wandel in den Mühlen der Justiz untergehen soll - jener Wandel vom drogensüchtigen Jugendlichen zum einsichtigen Erwachsenen. Warum sollen weder meine Eltern, noch meine Großmutter ein Grund zur Schonung sein? Ich habe daraus gelernt. Ich sah das als Spaß, weil ich dauernd benebelt war. Ich würde es nie wieder machen, weil ich heute einerseits Angst und andererseits Respekt habe, vor dem was ich tat. Erst wenn wir die Verantwortung für uns ganz übernehmen, muss der Staat uns nicht mehr vor uns selbst schützen. Bis dahin raubt uns jeder unserer Fehltritte Schritt für Schritt unsere kollektive Freiheit. Die Menschliche Freiheit besteht nämlich in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.
So war ich bis 2008 dem Psychoterror in der Geschlossenen Abteilung der Umerziehungsanstalt Viersen schutzlos ausgeliefert: "Eigentlich ging es ja noch, hatte zeitweilig mein Equipment dort, durfte im Gegensatz zum Jugendvollzug eigene Kleidung tragen, Besuch und Telefonate empfangen und verdiente 0,68 Euro die Stunde in der Schreinerei. Aber trotzdem war es dort wie bei Big Brother, bloß dass keiner Bock drauf hatte bzw. haben dürfte. Wir waren dort vierzehn Mann - das Alter reichte von 25 bis 55 und wohnten zu dritt oder zu zweit auf einem Zimmer. Da ging man sich schnell mal auf die Nerven. Manche waren dort echt total Banane, die Straftaten reichten vom Ladendiebstahl bis hin zum Kindesmissbrauch und immer, wenn man sich einigermaßen arrangiert hatte, kam Schikane von Außen - Zimmerrotation." Wahrscheinlich wäre ich ohne meine Musik wirklich verrückt geworden. Aber dennoch: Ich gab ich ( mich ) nicht auf. Ich habe bereits zu meinen schlimmsten Feiertagen Musik gemacht und wenn ich draußen bin, will ich eine Ausbildung zu Tontechnikassistenten an der SAE machen, welche seit meiner Verlegung in Form eines Fernstudiums bei HOFA endlich vorbereitet werden kann.
Der DJ von Alcatraz – Musik als Fluchtmöglichkeit.
Musikalisch war ich eigentlich schon immer. In der musikalischen Früherziehung, dem Keyboard- und Gitarrenunterricht wurde mir schon frühzeitig das nötige Know-How vermittelt. Mit dem Wechsel auf die Realschule, fing ich langsam an, mich mit Heavy Metal anzufreunden. Mit der sogleich gegründeten Band machte ich die ersten Kontakte mit einem mehrspurigen Mischpult, auf dem man den Sound der Bassdrum dermaßen komprimieren konnte, dass einen der Druck fast umgehauen hat. Da war mir klar, dass elektronische Musik auch ihre Vorteile hat. Meine Faszination war sofort geweckt.
Jobs im Tonstudio gelten als Traumberufe: Man arbeitet mit vielen kreativen Menschen zusammen und darf sich pausenlos von der Muse küssen lassen. So zumindest sieht es in der Vorstellung derer aus, die auf der Suche nach einer Ausbildung oder einem Job im Musik-Business ihre persönlichen Präferenzen prüfen. Und ganz falsch liegen sie nicht, denn um Vergleich zum Einzelhandelskaufmann sieht das Berufsbild ebenso vielfältig wie abwechslungsreich aus: Der klassische 9-to-5-Job ist hier wohl eher die Ausnahme, das Aufgabengebiet reicht vom technischen Aufbauhelfer über den Tonkutscher bis hin zum Produzenten, Vocal-Coach und seelisch-psychologischem Berater. Aufgrund der analog-digitalen Welt, in der heutzutage produziert wird, ist das Anforderungsprofil auch entsprechend weit gefasst. Selbst wenn das Schneiden von Bändern heute nur noch etwas für Liebhaber ist, so muss der "Toni" trotzdem einiges draufhaben: Neben eher trockenen Themen wie Elektrotechnik und der Lehre vom Schall muss er verschiedenste Produktionstools, ob analog oder digital, beherrschen, seine Technik-Peripherie zu jederzeit im Griff haben und in Schuss halten, alle Tricks und kniffe kennen, den Produktionsplan permanent mit dem aktuellen Budget abgleichen und so weiter. All’ das, vielleicht mit Ausnahme der persönlichen Komponente, kann man lernen: Zeitschriften wie KEYS, RECORDING, BEAT und SYNTHESIZER MAGAZIN, versuchen in jeder Ausgabe Aspekte diesen Know-hows zu vermitteln. In der notwendigen Tiefe und Breite kann dieses Wissen jedoch nur in einer fundierten Ausbildung erworben werden. In Deutschland wird dieser Wissenstransfer an staatlichen Stellen wie ausgesuchten Universitäten und Konservatorien sowie an privaten und kommerziellen Instituten wie der renommierten SAE, der SEAP sowie der Deutschen POP geleistet. Trotz eines reichhaltigen Angebots an Ausbildungsstellen führt der Beruf selbst ein Doppelleben: Das Berufsbild gilt als exotisch, die organisierte Vermittlung über das Arbeitsamt steckt in den Kinderschuhen. Viele, die diesen Beruf ausüben, sind Autodidakten, die nie eine Ausbildung genossen haben und auch nach 10 und mehr Berufsjahren als Ungelernte gelten – in Zeiten von Hartz 4 und Berufsbildungsgesetz ein unangenehmer Zustand. Zum anderen sind die Jobs vergleichsweise rar gesät: Oft erscheint es jedoch leichter, seinen Arbeitsplatz durch Selbstständigkeit zu schaffen, als einen ausgeschriebenen Job zu ergattern, eine Arbeitsplatzgarantie gibt es ohnehin nirgendwo. Auch wenn ich einen interessanten Beruf dazu gewinnen sollte, verliere ich in dem Fall ein sehr wichtiges Hobby und muss mir in dem Zusammenhang eine gleichwertige Alternative suchen.
Aber zu was wird eigentlich ausgebildet? Wer das Repertoire an Abschlüssen studiert, stolpert über teils blumige Anglizismen – mit der Internationalität der Ausbildung hat das wenig zu tun. Stattdessen gibt es in Deutschland auch in Bezug auf Berufsbilder Reglementierung, die einerseits die Einordnung in das Sozialgefüge als auch in eine Berufssparte erleichtern. Der Toningenieur ist eine universitäre Ausbildung, die durch Erwerb eines Ingenieur-Diploms gekrönt wird. Tomtechniker kann dagegen jeder sein, dieser Beruf ist nicht geschützt.
Wer eines der privaten Institute absolviert, möchte natürlich dennoch einen Abschluss machen, der auch ein gewisses Renommee mit sich bringt. Aus diesem Grund müssen die Schulen Sonderwege beschreiten: Der Diplom-Audio-Engeneer an der SAE kann beispielsweise in Kooperation mit der englischen Middlesex University London zu einem in Deutschland anerkannten Bachelor of Arts ausgebaut werden. Ohne diese Kür erhält der Absolvent ein Diplom, das überall, nur eben nicht in Deutschland anerkannt ist. Je nach Branche ist das allerdings auch nicht entscheidend, denn in der Regel zählen der persönliche Eindruck und die Eignung in der Praxis, über die kein Zeugnis letztlich etwas aussagt. Ich möchte nun das SAE Institut anhand eines Steckbriefs, aus dem wichtige Fakten und Informationen heraus gelesen werden können, näher bringen.
Das SAE Institute ist nicht nur das älteste, sondern auch das renommierteste und in punkto Technik am besten ausgestattete private Ausbildungsinstitut in diesem Bereich. Die SAE wurde 1976 von Tom Misner in Australien gegründet und bildet heute in insgesamt 19 Ländern aus. Neben dem tontechnischen Schwerpunkt unterrichtet die SAE mittlerweile auch die Fachbereiche Creative Media und Digital Film, um alle Facetten der heutigen Medienproduktion abzudecken. Neben einem Grundlagenstudium (Certificate-Stufe) bietet die SAE Diplom-, Bachelorkurse sowie die Ausbildung zum Master of Creative Media Practice an: In Deutschland ist momentan lediglich der Bachelor-Abschluss als Titel anerkannt, der in Kooperation mit der englischen Universität von Middlesex erworben werden kann. Mit dem Electric-Music-Producer gibt es an der SAE eine separate fachspezifische Audioausbildung über 6 Monate, die sich ausschließlich mit der elektronischen Musikproduktion beschäftigt. Manchmal kriege ich richtig Angst und frage mich: "Was ich jetzt noch machen soll - wer bucht schon einen DJ, Produzenten oder Tontechniker, der im Knast saß?" Heute habe ich zumindest die Möglichkeit dazu, mich mit einem vom hiesigen Team genehmigten Computer, im Rahmen eines Fernstudiums vorzubereiten. In sofern hat sich die Verlegung allemal für mich gelohnt und kann endlich an einer Perspektive arbeiten.
Zeit zu handeln…
BACK 2 BASICS. HARDWARE ROCKS!
Als ich im Juli 2000 mit einer Wandergitarre in den „Rheinischen Kliniken“ Viersen eintraf, rechnete niemand damit, dass ich mir nach und nach meine kleine eigene Welt aufbauen würde. So legte ich mir mit der Zeit, ein kleines, aber feines Equipment zu. Meine Eltern staunten nicht schlecht, als ich mir vor rund 10 Jahren mein erstes „Groovetool“ kaufte. Mit gerunzelter Stirn registrierten sie zunächst den Kauf und dachten an ein Hirngespinst. Damals mussten nicht einmal Anträge für solche Gerätschaften gestellt werden, doch entgegen der Tatsache das diese Hürde wenig später eingeführt wurde, erarbeitete ich mir noch mit 90 Euro Taschengeld, der finanziellen Unterstützung meiner Eltern und habe es in Form von Anträgen an das dortige Therapeutenteam geschafft, mir einige Gerätschaften in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie zu holen. Hierbei handelt es sich um eine Roland MC 505 Groovebox, eine Roland MC 303 Groovebox, welche eines Samstages entgegen der Dienstvorschrift, von meiner Lieblingspflegerin Angelika K. bei der Post in Viersen / Süchten abgeholt wurde, einen Roland TR 505 Drumcomputer, einen BOSS SP 202 Sampler, einen KORG Electribe ER-1, einen KORG Electribe EA-1, einen Behringer Virtualizer, als auch ein Behringer MX 1604A Eurorack Mixer. Darauf folgten eines Tages ein TASCAM Porta Studio 2488 MK II, eine Ovation- Gitarre und Headphones der Firma Beyerdynamic. So habe ich mir für die Zeit nach dem Maßregelvollzug schon mal , ein kleines Tonstudio für meine musikalischen Zwecke zusammengestellt. Gleichzeitig nutzte auf einem der Station, zur Verfügung gestellten 400Mhz-Computer, die Programme wie Reason 3.0, Fruity Loops 5, Cubase SX und div. Freeware Plug In's. Mit diesem Equipment sind dann unter anderem die Tracks wie DEVOTA, SADIS’M, SONS OF ACID und viele andere entstanden. In diesem Zusammenhang, hatte ich mich damals bei einem scheinbar guten Freund und Kollegen Ralf Linnemann, für seine Hilfe und Unterstützung bedankt. So manches hätte sich sicherlich schlechter angehört, wenn ich mit ihm nicht zusammengearbeitet hätte, wenn der erwähnte Computer wieder den Geist aufgab. Heute steht zwar das Equipment sicher und verpackt in der elterlichen Wohnung, doch der Kontakt zu Ralf Linnemann besteht „Gott sei Dank…“, seit Jahren nicht mehr.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zu meiner Verurteilung im Frühjahr 2000 keiner so genau wusste, was die Verurteilung nach § 63 so anstellen würde, gibt es im freiesten Rechtsstaat leider so manche Beamte, in deren Köpfen die Welt noch eine Scheibe darstellt. In den meisten Fällen hat das dann zur Folge, dass einem das Recht auf freie Meinung aberkannt wird und man für ein paar Abzeichen für einige Jahre eingesperrt wird. Für immer? Ich hoffe nicht! So wurde mir dann auch noch nach 7 Jahren die Möglichkeit zur kreativen Beschäftigung verwährt bzw. abgenommen. Auslöser für diese Ungerechtigkeit war eine am 24.10.2007 durchgeführte Zimmerkontrolle. So schrieb ich auch meine Zeilen in Form einer lang zurückliegenden Story an Euch dort draußen, in Wut und Trauer zugleich. Wut gegenüber den „Großkopferten“ des Landes und Trauer darum, dass ich mein komplettes Equipment nach Hause geben musste. Die Gründe dafür waren viele Verdächtigung von Neidern in meinem stationären Umfeld und diverse Beschuldigungen, MP-3 Player, Handys und Alkohol im Besitz zu haben, während sich so manche meiner damaligen Mitpatienten selbst zusammengeklebte Kinderporno – Bilder austauschten, Stationsübergreifend die Handys verkauft, Patienten von anderen beklaut und bedroht wurden, saßen die Pfleger so lange im Büro bis es schlussendlich zur Eskalation kam.
Licht am Ende des Tunnels!
Nach zahlreichen Unwegbarkeiten durch die Unterbringung im Maßregelvollzug, sehe ich endlich ein Licht am Tunnel und kann wieder aufatmen. Nach einer Umverlegung einiger Mitpatienten änderte sich das Klientel drastisch zum negativen, die Folge waren vielen Verdächtigungen und Beschuldigungen diverser Mitstreiter und so kam es vermehrt zu razzia- artigen Zimmerkontrollen Zimmerkontrollen. So kam es dann auch noch zu einer Erweiterung der Stationsordnung, dass man sogar für sein eigenes Deo- Spray den Pfleger fragen musste. Insgesamt wurde der Zustand in Viersen immer beschämender, es wurde Post einbehalten, erst gar nicht ausgeteilt, Pfleger, Therapeuten und Chefärzte handelten nach Willkür, die neue Therapeutin hatte soviel Kompetenz wie eine Praktikantin und so fand dann am 24.10.2007 eine groß angelegte Zimmerkontrolle statt. Diese wurde auf Verdacht durchgeführt. Vorzugsweise wurde sich auf Speichermedien und Tonträger gestürzt. Gleichzeitig wurde eine Sperre ausgesprochen, die solange andauern sollte, bis alles kontrolliert wäre. Ebenso folgte dem eine neue Medienverordnung und so musste ich mein komplettes Equipment, bis auf die MC 505 nach draußen geben, weil hochwertige und multifunktionale Hifi- Geräte, plötzlich nicht mehr erlaubt waren. So musste ich mein geplantes Online- Album einfrieren und konnte Euch dort draußen nur noch eine Hand voll Tracks präsentieren.
Die Situation wurde danach noch unerträglicher und so stellte ich mit Hilfe meines Anwaltes, einen Antrag auf die Verlegung in die Klinik Bedburg-Hau, welche sich in einem kleinen, verschlafenen, Dorf in der Nähe der holländischen Grenze befindet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, erfahre ich hier Unterstützung und Förderung in jeglicher Hinsicht, durfte meine Groovebox behalten und habe mir nach und nach einen guten Computer, mit aktueller Software, einem TASCAM Audiointerface, einem NOVATION Controller und vielen anderen Dingen zur digitalen Musikproduktion zulegen. So durfte ich das Fernstudium im Zusammenhang der Tontechnik bei HOFA machen, bewege mich nach fast 11 Jahren, alleine vor der Türe der Psychiatrie, blicke zuversichtlicher in meine Zukunft und glaube daran, dass ich die schlimmste Zeit überstanden habe.
Zeit für ein „Merci“.
So möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich im Laufe meines Lebens im Zusammenhang meiner Projekte und anderen Dingen unterstützt haben. Ein ganz besonderer Dank geht an meine Eltern, an meine Grandma, an Martina H., Jennifer S., Jutta J., Vanessa F., Stefan W., Peter S. und seine Ex-Freundin Steffi, Uwe K., Michael B., Philipp S., Stefan V., Manuel S., alle die ich vergessen habe und sich angesprochen fühlen sollten. Ebenso möchte ich mich für die Unterstützung beim RecordingLaden, MusicStore, Musikhaus Thomann, der Redaktion Beat für das Freiabo, der Redaktion von Recording & KEYS für monatliche Infos, der Raveline für das Interview im Jahr 2003 und dem darauf folgenden Freiabo und ganz besonders beim gesamten Team des HOFA Trainings bedanken. Gleichfalls eine Danksagung an das Therapeuten & Pflegeteam der Rheinischen Landesklinik Bedburg-Hau. Danke! All my Respekt to: Claus Bachor, Roland Casper, Sorgenkint, Man at Arms, Mato Berocka, Jeff Mills, Nathalie de Borah, Stefan Wenzel, DJ MXA, Miss Electric, Monika Kruse und allen anderen, deren Musik, mich jemals bewegt hat. Iron Maiden - zum Beispiel… |